Ich finde solche Verbindungen, Gemeinsamkeiten und Unterschiede, immer wieder interessant ... ein Glasperlenspiel ...

 

Das NLP (ja, ich weiß, nicht alles Gold, wissenschaftlich nicht so sauber, ethisch in manchem problematisch ...) verfügt ja seit Anbeginn über das sogenannte Meta-Modell der Sprache (Banler, Grinder: Struktur der Magie 1).

Darin unterscheiden sie zwischen verschiedenen Möglichkeiten, Unvollständigkeiten des Denkens, die sich in Sprache äußern, aufzuzeigen. Mit Fragen kann man dann diese "Löcher" Stück für Stück schließen.

 

Die drei großen Bereiche:

  • Tilgungen - eine Info fehlt / wird ausgeblendet
  • Generalisation - etwas wird verallgemeinert
  • Verzerrung - ich würde sagen: "unsauberes Denken" - es wird psycho-logisch, emotional, aber eben nicht "logisch" (aber eben prä-logisch) gedacht.

 

Die einzelnen Bereiche:

Tilgungen:

  • Einfache Tilgung: "Ich freue mich" (worüber?); "Ich fürchte mich" (Wovor?), "Er hat kein Gefühl" (wofür?); in der Regel fehlt ein Objekt des Satzes
  • Vergleichstilgung: "Sie ist schöner"  (als?); "Er ist kleiner" (als?); "Ich bin der Beste" (von welcher Gruppe, in bezug auf welche Eigenschaft?)

  • Unspezifisches Verb: "Er stört mich beim …" (wie genau?); "Sie verletzt ihn" (womit / wodurch; welche Art der Verletzung?)

  • Unspezifischer Bezugsindex: „Leute haben Probleme" (Wer genau?); "Sie mögen mich nicht" (Wer genau?)

  • Nominalisation: "Er macht mir Ärger" (Wie genau macht er dich ärgerlich?)

Generalisation:

  • Universalquantoren: „Alle hassen mich" [nie, immer, niemand, …] (wirklich alle / nie / immer / niemand?)
  • Modaloperator der Notwendigkeit: "Ich muß gehen" (Warum musst du? Wer oder was as zwingt dich? Was würde geschehen, wenn nicht?)
  • Modaloperator der Möglichkeit: "Ich sollte arbeiten" [könnte, dürfte] (Was würde geschehen, wenn [nicht]? Wer sagt das? ...)

Verzerrung:

  • Verlorener Performativ: "Es ist schlecht, …" [gut, richtig] (Für wen? Wer sagt das? Woher weißt du das?)
  • Gedankenlesen: "Du liebst mich nicht" (Woher weißt du das? Woran merkst du das?)
  • Ursache-Wirkung: "Du machst mich traurig" (Wie verursacht mein Tun, daß du dich entscheidest, dich traurig zu fühlen?)
  • Komplexe Äquivalenz: "Du kritisierst mich; du liebst mich nicht" (Du meinst, wenn man jemand liebt, darf man ihn / sie nicht kritisieren?)

 

Es gibt sicher noch andere / bessere Aufstellungen des Meta-Modells. Und wir sind uns sicher auch einig, dass die Fragen, die hier gestellt werden, zwar "logisch" richtig sind, aber nicht unbedingt immer die bestehen Coaching-Fragen sind ... da würden wir manchmel wohl behutsamer / um die Ecke etc. fragen ... 

Worum es mir ging ist, das Meta-Modell mit seiner Logik darzustellen und jetzt den 28 Denk-Mustern nach Laske gegenüber zu stellen.

 

Tilgungen:

  • Einfache Tilgung: "Ich freue mich" (worüber?): Meist wohl eine Frage im Quadrant "Beziehung"
  • Vergleichstilgung: "Sie ist schöner"  (als?); je nach Sichtweise: Ist die Vergleichsmenge "Hintergrund" - also Kontext - oder geht es auch um das Verhältnis zum anderen - Beziehung

  • Unspezifisches Verb: "Er stört mich beim …" (wie genau?); Wir fragen nach der Qualität des Prozesses, ev nach einem Muster der Interaktion (Denk-Muster 4)

  • Unspezifischer Bezugsindex: „Leute haben Probleme" (Wer genau?); Wir fragen nach der Qualität des Prozesses; man könnte sagen: Das Nachfragen bringt Wissen zutage, das eine Leerstelle füllt ... (Denk-Muster 5)

  • Nominalisation: "Er macht mir Ärger" (Wie genau macht er dich ärgerlich?): Das lässt sich recht eindeutig dem Denk-Muster 6 zuordnen: Verflüssigen von susbstantivierten Prozessen 

Generalisation:

  • Universalquantoren: „Alle hassen mich" [nie, immer, niemand, …] (wirklich alle / nie / immer / niemand?): Wieder eine Leerstelle, die zu füllen ist - Denk-Muster 5
  • Modaloperator der Notwendigkeit: "Ich muß gehen" (Warum musst du? Wer oder was as zwingt dich? Was würde geschehen, wenn nicht?): Hier gibt es vielleicht einen größeren Prozess, der ein Muss definiert (Denk-Muster 7), einen Kontext, der zu berücksichtigen ist oder Beziehungen, die ein subjektiven / objektives Müssen nahelegen. 
  • Modaloperator der Möglichkeit: "Ich sollte arbeiten" [könnte, dürfte] (Was würde geschehen, wenn [nicht]? Wer sagt das? ...): Gleich wie zuvor

Verzerrung:

  • Verlorener Performativ: "Es ist schlecht, …" [gut, richtig] (Für wen? Wer sagt das? Woher weißt du das?): Hier könnten wir Denk-Muster 13 vermuten: Bedeutungs-Rahmen: Nach welcher Logik ist es schlecht / gut / richtig ...?
  • Gedankenlesen: "Du liebst mich nicht" (Woher weißt du das? Woran merkst du das?): Einerseits würden wir hier wohl nach dem Muster in der Beziehung fragen (Denk-Muster 20), zum anderen könnten wir mit etwas Phantasie an Denk-Muster 22 denken: Grenzen der Stabilität: Was braucht es, dass eine Person den Eindruck bekommt, dass die Liebe wankt ...
  • Ursache-Wirkung: "Du machst mich traurig" (Wie verursacht mein Tun, daß du dich entscheidest, dich traurig zu fühlen?): Wir schauen auf den Prozess - wie geht das: traurig werden und bleiben - und wie geht das: jemand dazu bringen, dass es traurig wird - und damit auf das Muster der Interaktion - Denk-Muster 4
  • Komplexe Äquivalenz: "Du kritisierst mich; du liebst mich nicht" (Du meinst, wenn man jemand liebt, darf man ihn / sie nicht kritisieren?): Hier können wir wieder nach dem Bedeutungsrahmen fragen, der hier sichtbar wird (Denk-Muster 13)

 

Einschätzung:

Ich habe damals (1996) das Meta-Modell für ein wunderbares Werkzeug gehalten und habe es eine Zeitlang wohl so unbeherrscht eingesetzt, dass mich jemand nur halb im Scherz "Meta-Modell-Monster" genannt hat.

Auch heute gebe ich es gerne Menschen in die Hand, die dabei sind, ihre formal-operative Stufe (Achiever, Orange, ...) vollständig auszubilden.

Mit Blick auf die Denk-Muster sieht man jedoch rasch, dass es 2 Stufen flacher ist: Es schaut "nur" auf die Grammatik: Für integrale Schlitzohren wäre es ein leichtes, im Rahmen des Meta-Modells vollständig zu formulieren - und doch Wesentliches zu vergessen: Die systemischen Grundbrillen, dass "alles fließt", "alles vor einem Kontext" passiert und "alles verbunden ist" sind nicht ins Modell integriert (das wäre 1 Stufe tiefer). Und natürlich fehlt auch das dialektische Denken, dass sich Systeme höher / tiefer / ... entwickeln, dabei jeweils "Anderes" integrieren, dass wir Holons in größeren Holons denken und dass es möglich ist, sich transformierende Systeme zu vergleichen und zu bewerten (was ich gerade tue ...).

Also: Nochmals herzlichen Dank an Bandler und Grinder - super Werkzeug - für die formal-operative Stufe ... und wenn wir das "drauf haben", können wir weiter schreiten ...

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Otto Laske
NLP vs. Dialectic
dear Bernhard Possert, I am glad you got to comment on the NLP "thought forms" and show without too much effort that they a quite shallow compared to dialectical thoughts which you position 1 or 2 levels "deeper". This is very useful for debunking the "power of NLP" in terms of cognitive development of adults. However, I can conceive of a deepening of NLP using dialectical thought forms which so far nobody has undertaken. April 2016, Otto Laske
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